Rosa Helfers

Rosa Helfers erblickte am 30. September 1885 als Rosa Margarethe Mathilde Boye in Bergedorf bei Hamburg das Licht der Welt. Nach einem bewegten und engagierten Leben starb sie am 1. März 1965 in Hameln.

 

Ihr Leben bis 1911

Rosa Helfers wuchs in einem klassischen sozialdemokratischen Milieu auf. Ihr Vater war ein enger Vertrauter August Bebels. Ihre kämperische Lebensphilosophie hatte sie von August Bebel übernommen: „Bist Du gewillt, das Ziel zu erreichen, das Du gewählt hast, dann darfst Du nie weichen, wer zögert, der fällt!“ (Altkrüger-Roller, Frauen 53.) Nach dem Abschluss der Volksschule lernte sie den Beruf der Kindergärtnerin. Am 14. März 1902 heiratete die 17-jährige Rosa in Hannover Ludwig Helfers. Er war ebenfalls Sozialdemokrat, Glasmacher, neuen Jahre älter und stammte aus Westendorf im Kreis Rinteln. Rosa drängte es danach sich politisch engagieren und trat 1907 in die SPD ein. Dieses geschah unter einem männlichen Pseudonym, da das preußische Vereinsgesetz eine Mitgliedschaft von Frauen bis 1908 verbot.

Am 31. März 1911 zogen Rosa und Ludwig Helfers in die Königsstraße 3 in Hameln. Nach dem Umzug war die Sozialdemokratin Leiterin der Gewerkschaftsjugend und in der Gefangenenfürsorge tätig.

„Bist Du gewillt, das Ziel zu erreichen, das Du gewählt hast, dann darfst Du nie weichen, wer zögert, der fällt!“

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde sie als einzige Frau im November 1918 in den Hamelner Arbeiter- und Soldatenrat gewählt, der bis zur Kommunalwahl am 23. Februar 1919 die Geschicke der Stadt leitete. Bei dieser Wahl wurden 36 Bürgervorsteher gewählt, darunter lediglich zwei Frauen: Selma Tegtmeyer und Rosa Helfers. Rosas Arbeitsschwerpunkte waren die Sozial- und Jugendfürsorge. Von 1921 bis 1933 saß sie als Abgeordnete im Preußischen Landtag in Berlin.Die Sozialdemokratin war die Kandidatin der SPD im Wahlkreis Südhannover.

Rosa Helfers gründete die SPD-Frauengruppe und war bei der Gründung der Arbeiterwohlfahrt beteiligt. Neben diesen politischen Aktivitäten absolvierte sie die Ausbildung zur Gefängnisfürsorgerin. Ab 1928 arbeitete Helfers als Oberin im Berliner Untersuchungsgefängnis Moabit. 1929 wurde sie im Frauengefängnis in der Barnimstraße 10(*) die erste Gefängnisdirektorin im Deutschen Reich, was einen Umzug nach Berlin nach sich zog. Durch die räumliche Nähe von Landtag und Gefängnis konnte die Sozialdemokratin beide Aufgaben, politisches Mandat und Direktorium, gut miteinander verknüpfen.

Über das Privatleben ist wenig bekannt. Rosa und Ludwig Helfers hatten keine leiblichen Kinder. 1923 adoptieren beide die achtjährige Gerda. Das Ehepaar Helfers hatte in der Gartenstraße 16 ein Haus mit einem 2.500 qm Grundstück. Ludwig wohnte hier auch in der Zeit Rosas in Berlin.

Nach den letzten Wahlen der Weimarer Republik am 5. März 1933 begannen die Repressalien gegen die Mitbürger jüdischen Glaubens. Auch der Druck auf Sozialdemokraten und Kommunisten wurde größer. Konzentrationslager wurden gebaut. Im Herbst 1933 erreichten die Vergeltungsmaßnahmen der Nazis Rosa Helfers. Auf Grundlage des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“, kurz Berufsbeamtengesetz, wurde der Sozialdemokratin fristlos der Dienst in Berlin-Moabit gekündigt. Das Berufsbeamtengesetz vom 7. April 1933 war die Grundlage der NS-Herrscher politisch missliebige und jüdische Beamte aus dem Staatsdienst zu entfernen und diente den rassischen Zielen der NSDAP sowie der Gleichschaltung des öffentlichen Dienstes.

Nach der Entlassung als Gefängnisdirektorin kehrte Rosa Helfers nach Hameln zurück. Hier wurde sie illegal tätig und versuchte, durch ihre Kontakte in die Hamelner Haftanstalt hinein die Lage der politischen Gefangenen zu verbessern und half deren Familien. Diese Tätigkeiten brachten ihr den Spitznamen „Mutter Rosa“ ein. Ab 1935 wurde sie von dem V-Mann Georg Seiffert, von 1903 bis 1933 SPD-Mitglied, für die Gestapo beobachtet. Nach dem Attentat auf Diktator Hitler am 20. Juli 1944 wurde die Hamelner Sozialdemokratin im Rahmen der „Aktion Gewitter“ inhaftiert und im Arbeitserziehungslager Buchholz interniert. Hier zog sich die damals 59-Jährige ein schweres Nierenleiden zu, das nicht wieder ausheilen sollte.

1945 nimmt Rosa Helfers ihre Berufstätigkeit als „Volkspflegerin“ in Hameln beim Wohlfahrtsamt wieder auf. Später gründet sie den Verein für Gefangenenfürsorge. Gegen anders lautenden Aussagen war Ludwig Helfers nicht verstorben sondern Invalide.

Politisches Engagement auf ein Neues

Wie bereits ähnlich nach dem Ersten Weltkrieg engagierte sich die Sozialdemokratin bei der Wiedergründung von SPD und Arbeiterwohlfahrt sowie in der Politik. Bei den Kommunalwahlen vom 14. Oktober 1946 ging die SPD in Hameln als Siegerin hervor. Rosa Helfers erhielt die meisten Stimmen und wie der Oberbürgermeister Heinrich Löffler die einzigen Direktmandate für die SPD. 1947 zog die Politikerin mit einem hohen Stimmenanteil in den Niedersächsischen Landtag ein. 1952 legt die Hamelnerin aus gesundheitlichen Gründen ihre politischen Ämter nieder.

Am 10. November 1950 starb ihr Ehemann Ludwig. Sie wurde nach dem Tod ihres Mannes von ihrer Familie umsorgt und gepflegt. Trotz ihrer angeschlagenen Gesundheit ließ sich Rosa Helfers 1952 in den Vorstand des Vereins für Gefangenenfürsorge wählen. Auch die Heimatpflege lag ihr am Herzen, weshalb der Verein für Grenzbeziehungen ihr zum 70. Geburtstag am 30. September 1955 dankte.

1955 fasste der Rat der Stadt Hameln den Entschluss Rosa Helfers für das Bundesverdienstkreuz erster Klasse vorzuschlagen. Aus der Empfehlung an den Niedersächsischen Innenminster: „Sie spürte soziale Notstände auf und ergriff eigene Maßnahmen, um diese zu beseitigen. Ihr ganzes Wirken wie ihr Leben überhaupt richtete sich immer nach dem Ziel, anderen, vor allen Dingen notleidenden Menschen zu helfen. So gab man ihr in der Bürgerschaft auch den Namen 'Stadtmutter'.“ (Altkrüger-Roller, Frauen 59.) Am 22. September 1960, kurz vor ihrem 70. Geburtstag wurde Rosa Helfers das Verdienstkreuz verliehen.

Ein Vorschlag der Freigeistigen Gemeinschaft Hameln, eine Anlage auf dem Gelände des „Stockhofs“ nach der Sozialdemokratin zu benennen, fand keine Umsetzung. 2004 wurde im Scharnhorstviertel vier Straßen nach Hamelner Frauen benannt: Elisabeth Pellens, Freya Markus, Elsa Buchwitz und Rosa Helfers.

Unsere Parteizentrale für den Unterbezirk Hameln-Pyrmont trägt seit dem November 1997 in Erinnerung an die unbeugsame Streiterin für Demokratie, Gerechtigkeit und Solidarität den Namen Rosa-Helfers-Haus.


Der Artikel basiert auf dem Teil über Rosa Helfers aus dem Buch "Couragierte Frauen aus Hameln und Umgebung" von Helga Altkrüger-Roller.

(*) Vielen Dank an Helga Altkrüger-Roller für die mündliche Mitteilung, dass Rosa Helfers das Direktorium im Frauengefängnis in der Barnimstraße 10 im damaligen Berlin-Königsstadt (heute Berlin-Friedrichshain) inne hatte.